Ergebnisse der Bedarfsabfrage

Stand:
Was sich beim Essen in stationären Pflegeeinrichtungen ändern muss - Befragung der Vernetzungsstelle in NRW-Senioreneinrichtungen mit guter Resonanz
Monitor und Smartphone mit Checklisten
Off

Die Befragung der Vernetzungsstelle unter 2.229 NRW-Senioreneinrichtungen ergibt folgende Hinweise:

Wie kann die Vernetzungsstelle Seniorenernährung (VSE) stationäre Pflegeeinrichtungen unterstützen? Welche Beratung, welche Informationen und welche Fortbildung zur ausgewogenen und nachhaltigen Seniorenernährung wünschen sich Pflegeeinrichtungen, um das Essen in ihren Häusern zu verbessern? Dies hat die Vernetzungsstelle mittels einer Umfrage ermittelt. 

Die Befragung war digital und anonym auf der Homepage der Vernetzungsstelle möglich. Begleitend wurden die vollstationären Senioreneinrichtungen über die Befragung und ihr Ziel schriftlich informiert und um Mitarbeit gebeten. Von den angeschriebenen 2.229 vollstationären Dauerpflegeeinrichtungen wurden 290 Fragebögen ausgefüllt (13 %). Die Befragung fand vom 26.10. bis 12.11.2021 statt.

Korb mit Gemüse
congerdesign / Pixabay


Viele Einrichtungen sehen Änderungsbedarf bei der Seniorenverpflegung in der stationären Pflege

Dass sich in der Seniorenernährung in stationären Einrichtungen etwas ändern muss, sagen 133 (45,9 %) Verpflegungsverantwortliche in den Einrichtungen. Dabei gibt es auch klare Vorstellungen, was sich ändern muss. 

An erster Stelle wird mit 47 Antworten angegeben, dass viel stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Senior:innen eingegangen werden muss. Genannt wurden dabei individuellere Maßnahmen bei drohender Mangelernährung bei Demenz, vielfältigere Angebote für Bewohner:innen mit Kau- und Schluckbeschwerden oder auch mehr Flexibilität bei den Zeiten und Mengen der Mahlzeiten. Insgesamt wird eine gesündere, an der medizinischen Situation oder den Essgewohnheiten angepassten Ernährung der Bewohner:innen für notwendig erachtet. 

An zweiter Stelle (mit 42 Antworten) rangiert der Bedarf nach einer besseren Qualität und Zusammensetzung der Ernährung in Einrichtungen. Als Beispiele nannten die Teilnehmer mehr frische (selbstgekochte) Kost, weniger Zucker und Fleisch in den Mahlzeiten oder mehr regionales Essen. 

Einige Einrichtungen (18 Antworten) sehen Probleme bei den vorhandenen finanziellen Mitteln, die nicht ausreichend für eine gute Verpflegung der Senior:innen zur Verfügung stehen (Verpflegungssätze). An vierter Stelle und damit am seltensten werden mit zwölf Antworten Probleme mit der inneren Organisation und Struktur der Pflegeeinrichtung genannt, die verbessert werden müssten. Angeführt wurden beispielsweise das schlechte Schnittstellenmanagement zwischen Küche und Pflege, eine Neuklärung bestehender Verträge zur Abnahme von Mengen und Lebensmitteln. Aber auch die Organisation beim Servier-Essensprozess taucht als Hemmnis auf, die verbessert werden müsste.

Mit 54,1 % sehen allerdings auch mehr als die Hälfte (157 Antworten) der Pflegeeinrichtungen keine Notwendigkeit der Veränderung der Seniorenverpflegung.   

Titelbild Broschüre der DGE
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.

Die Vernetzungsstelle hat den Auftrag, den Pflegeeinrichtungen den „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung mit „Essen auf Rädern“ und in Senioreneinrichtungen“ näher zu bringen, für den Einsatz und die Umsetzung zu werben und dahingehend zu beraten. 

Auf die Frage „Kennen Sie den DGE-Qualitätsstandard?“  antworteten 158 (54,5 %) der Einrichtungen mit „ja“ und 130 (44,9 %) der Einrichtungen mit „nein“. Andere Standards wurden kaum (0,7%) genannt. 

Die Einrichtungen wurden zusätzlich gefragt, ob der „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung mit „Essen auf Rädern“ und in Senioreneinrichtungen“ in der Einrichtung auch Anwendung findet?

Von den 158 Einrichtungen, die den DGE-Ernährungsstandard kennen, haben 85 (53,8 %) angegeben, dass sie ihn anwenden. 64 (40,5 %) der Einrichtungen, die den Standard kennen, wenden ihn nicht an. Neun haben auf die Frage, ob sie den Standard anwenden, nicht geantwortet.

Die VSE interessierte in diesem Zusammenhang, was bei der Umsetzung/Anwendung des DGE-Qualitätsstandards besonders helfen würde, wobei Mehrfachnennungen möglich waren. Bei dieser Frage gaben 80 % der Einrichtungen an, dass eine Fortbildung zu den Inhalten des Qualitätsstandard und/oder gute Anwendungsbeispiele für eine gute Praxis sowie ein Erfahrungsaustausch mit Anwender:innen zum Qualitätsstandard helfen würden.

Die Frage, ob Interesse an kostenlosen Fortbildungen der VSE besteht, wurde durch 90 % der teilnehmenden Einrichtungen mit einem uneingeschränkten „ja“ beantwortet. 

Grafik
Penti-Stock / AdobeStock

Beratungsanfragen stationärer Pflegeeinrichtungen

Insgesamt nutzten 25 stationäre Pflegeeinrichtungen die Befragung der Vernetzungsstelle und baten gleich um Kontaktaufnahme, um Inhalte einer weiteren Beratung in der Pflegeeinrichtung zu klären. Diese Beratungen werden  auch für das neue Jahr 2022 die Arbeit  der Vernetzungsstelle prägen.

DGE-Standard: Bekannt aber kaum angewendet – Ein Auftrag an die Vernetzungsstelle Seniorenernährung

Der DGE-Qualitätsstandard ist bei mehr als der Hälfte (158) der Pflegeeinrichtungen, die bei der Befragung mitgemacht haben, bekannt. Aber davon wenden nur 85 der Pflegeeinrichtungen diesen Standard an. Alternative Standards sind kaum vertreten. Die hohe Diskrepanz in der Anwendung (im Vergleich zum Kenntnisstand) wird zukünftig  in den Veranstaltungen der VSE berücksichtigt und über die Bedeutung und Notwendigkeit der Nutzung eines Standards informiert (z. B. hinsichtlich Sicherheit durch Standards, Verhinderung von Energie- und Nährstoffdefiziten oder Mangelernährung). Die Diskrepanz zwischen Wissen und Anwendung ist ein Potential für die Arbeit der Vernetzungsstelle, um die Ernährungsqualität in Pflegeeinrichtungen weiter voran zu bringen.

Praxisanteile sowie Erfahrungsaustausch sollen nun auf Fortbildungen bzw. Veranstaltungen der Vernetzungsstelle, insbesondere für die stationären Einrichtungen vorrangig angeboten werden neben den Inhalten zum Qualitätsstandard. Dies wird die Vernetzungsstelle im neuen Jahr mit ihrer Veranstaltungsplanung aktiv umsetzen.


Über IN FORM: IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. Weitere Informationen unter: www.in-form.de.


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